• Slide 1Buschwindröschen im Kottenforst
  • Slide 2Frühlingswald
  • Slide 3Mittelspecht (Marco Koch)
  • Slide 4Springfrosch
  • Slide 5Auf der Suche nach Springfrosch und Kammmolch
  • Slide 6Schwimmendes Froschkraut in der Waldville
  • Slide 7Mittelwald bei Lüftelberg
  • Slide 8Feuersalamander

Ein LIFE+ Projekt für Kottenforst und Ville

Uralte Eichenwälder, verwunschene Weiher, am Tag das Hämmern der Spechte, nachts die Schatten der Fledermäuse – eine einzigartige Landschaft und ein Teil des europäischen Naturerbes.

Alte und tote Bäume sind natürlicher Teil unserer Waldökosysteme. Sie bieten Lebensraum für eine Vielzahl speziell angepasster Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Aufgrund der Holznutzung sind diese Bäume in unseren bewirtschafteten Wäldern selten und viele Alt- und Totholzbewohner sind heute selten und stark gefährdet.Zur Sicherung der biologischen Vielfalt unserer Wälder ist die Erhaltung und Förderung von Alt- und Totholz unabdingbar. Mit diesem Ziel wurden in vielen öffentlichen und privaten Forstbetrieben bereits Alt- und Totholzkonzepte entwickelt und umgesetzt. Beispiele sind die Biotopholzstrategie „Xylobius“ in Nordrhein-Westfalen sowie das Alt- und Totholzkonzept Baden-Württemberg.

Eine wesentliche fachliche Grundlage für die Umsetzung eines Biotopholzkonzeptes ist eine Kartierung von lebenden Bäumen mit Habitatstrukturen sowie Totholz. Biotop-(Habitat-)bäume definieren sich als lebende und tote Bäume, die als Lebensraum für alt- und totholzbewohnende Tier-, Pilz- und Pflanzenarten dienen bzw. dienen können. Dabei handelt es sich um Horst- und Höhlenbäume, Altbäume mit weiteren Mikrohabitaten (wie Astabbrüchen, Stammschäden u.a.), Uraltbäume sowie stehendes und liegendes starkes Totholz. Dabei variiert die Auswahl der zu erfassenden Habitatstrukturen und die Schwellenwerte in den verwendeten Verfahren.

Vielfalt erkennen und schützen

Die direkte Erfassung der Artenvielfalt von Waldbeständen ist kaum möglich. Meist liegen nur Daten von wenigen Artengruppen vor, denn die Untersuchungen meist komplex und zeitaufwendig. So erfordern die Erfassung der Fledermausfauna sowie die Ermittlung der Baumquartiere aufwendige telemetrische Untersuchungen. Die Dokumentation der xylobionten Käferfauna und auch der holzbewohnenden Pilze können nur wenige Spezialisten leisten. Somit sind indirekte Verfahren erforderlich, um die biologische Vielfalt von Wäldern zu erfassen. Eine Biotopholzkartierung kann ohne Spezialkenntnisse sowie überschaubarem personellem und zeitlichem Aufwand durchgeführt werden. Natürlich kann anhand der angetroffenen Requisiten nicht direkt auf das Vorkommen von bestimmten Arten geschlossen werden, doch erlaubt sie Aussagen über die Ausstattung eines Waldbestandes mit den überlebenswichtigen Strukturen für die Alt- und Totholzbewohner.

Die Biotopholzkartierung stellt Informationen auf verschiedenen Betrachtungsebenen zur Verfügung. Die erlaubt die Sicherung besonders wertvoller Einzelbäume, wie zum Beispiel Uraltbäumen mit Großhöhlen und von artenschutzrechtlich relevanten Horst- und Höhlenbäumen, d.h. Bäumen mit Fortpflanzungs- und Ruhestätten von geschützten Arten. Die Kartierung dokumentiert die Anzahl und Verteilung von Biotopbäumen in einem Waldbestand. Die Qualität und Quantität der angetroffenen Mikrohabitate erlaubt eine Bewertung von dessen naturschutzfachlicher Bedeutung. Auf der Ebene eines Wald- bzw. eines Schutzgebietes bildet die Biotopholzkartierung eine wichtige Planungsgrundlage zum Beispiel für die Erstellung von Natura2000 Maßnahmenkonzepten. Sie sind ein wichtiges Instrument im Schutzgebietsmonitoring, um die Entwicklung des Erhaltungszustandes zu erfassen und mögliche Beeinträchtigungen zu erkennen.

Flexibilität erhalten und Rechtssicherheit erhöhen

Die Biotopholzkartierung stellt eine wertvolle Planungshilfe für Waldbesitzer und –bewirtschafter dar. Sie liefert Aussagen über die konkrete Lage von geschützten Horst- und Höhlenbäumen sowie über Waldbereiche, die zurückhaltend bewirtschaftet werden müssen, um nicht gegen artenschutzrechtliche Bestimmungen zu verstoßen. So kann die Entnahme von Horst- und Höhlenbäumen verhindert werden, die streng geschützten Arten als Fortpflanzungs- und Ruhestätte dienen.

Mit Hilfe einer Biotopholzkartierung lassen sich ökologisch wertvolle Waldbestände abgrenzen, die häufig gar nicht mit den Wertholzbeständen identisch sind. Der Bewirtschafter kann anhand der Kartierungsdaten nachweisen, dass der Holzeinschlag nicht zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustandes von geschützten Arten führt, da sich beispielsweise in dem bewirtschafteten Waldbestand keine Horst- und Höhlenbäume finden oder in der Umgebung noch biotopholzreiche Waldbestände mit den entsprechenden Mikrohabitaten zur Verfügung stehen. Weiterhin erhält der Bewirtschafter auch die nötige Rechtssicherheit in Bezug auf den strengen Artenschutz im Wald. So muss Entnahme von Wertholzträgern mit einzelnen Baumhöhlen nicht zu Beeinträchtigung der lokalen Population einer geschützten Art führen, wenn anhand der Biotopholzkartierung dokumentiert werden kann, dass in umgebenden Waldbeständen (d.h. im funktionalen Zusammenhang) ausreichende Requisiten betroffenen Arten zur Verfügung stehen.

Biotopholzkartierung in Nordrhein-Westfalen

Im Rahmen der Biotopholzstrategie „Xylobius“ des Landesbetriebes Wald und Holz NRW werden im landeseigenen Wald Biotopbäume und Biotopholzgruppen ausgewählt und aus der Nutzung genommen. Diese werden digital erfasst und markiert. Im Focus stehen Altwälder mit naturnaher Baumartenzusammensetzung ab 120 Jahren (Eiche ab 140 Jahre). Als besonders erhaltungswertes Biotopholz gelten Horst- und Höhlenbäume, Bäume mit (potentieller) Habitatfunktion (BHD über 40 cm), starkes Totholz mit BHD größer 50 cm sowie einer Länge über zwei Metern sowie Uraltbäume. Auf eine detaillierte Dokumentation der Mikrohabitate wird verzichtet. Die Kartierung und Aktualisierung erfolgt durch den Revierbeamten im Rahmen der Auszeichnung der im Wirtschaftsplan für einen Holzeinschlag vorgesehenen Bestände. Die digitale Erfassung erfolgt durch eine spezielle Xylobius-App auf dem mobilen Computer. Die Markierung erfolgt entsprechend der Markierungsrichtlinie von Wald und Holz NRW.

Im Rahmen der Aktualisierung der Maßnahmenkonzepte in den bewaldeten Natura2000 Gebieten wird eine Biotopbaumkartierung durchgeführt, um Aussagen über die Qualität und Quantität der Alt- und Totholzausstattung des Schutzgebietes treffen zu können. Erfasst werden alle naturnahen Waldbestände (ab 120 Jahren , Eiche ab 140 Jahre) unabhängig von der Waldbesitzart. Dabei werden Höhlenbäume differenziert nach Höhlentypen, Horstbäume, Uraltbäume (BHD größer 100cm), liegendes und stehendes starkes Totholz ab einem BHD größer 50 sowie einer Länge über zwei Metern sowie sonstige Biotopbäume (BHD größer 40 cm) erfasst. Bei jedem kartierten Biotopbaum werden die Habitatstrukturen dokumentiert. Die GPS Koordinaten der Bäume werden aufgenommen und gemeinsam mit den Sachdaten im Landschaftsinformationssystem OSIRIS in einer eigenen Fachschale BAUM abgelegt. Eine Markierung der erfassten Biotopbäume erfolgt nicht.

Die Verwendung von  Mikrohabitaten zur Erfassung der biologischen Vielfalt von Wirtschaftswäldern hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Aus ganz Europa liegen inzwischen Beispiele vor. Allerdings bestehen bei der Auswahl und Definition der eingezogenen Mikrohabitate große Unterschiede in den verwendeten Kartierungsverfahren. Eine typologische Gliederung der Mikrohabitate mit Definitionen und Schwellenwerten haben Larrieu et al. 2018 vorgestellt. Eine Übersicht bietet ein Mikrohabitatkatalog, der im Rahmen des Projektes Integrate/Integrate+ erstellt wurde. Dank der Übersetzung in 15 Sprachen hat er bereits weite Verbreitung in Europa gefunden.

Villewälder: Der Film
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Das Projekt im zeitlichen Überblick

Das LIFE+ Projekt dauert über fünf Jahre von Juli 2014 bis Juni 2020. Die vielfältigen Maßnahmen bedürfen einer genauen Organisation und Planung.

 

 

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    2014
    Das Projekt beginnt

    Im ersten Projekthalbjahr stand die Projektorganisation im Mittelpunkt.

    • Kick off-Seminar
    • Eröffungsveranstaltung
  •  

    2015
    Das Jahr der Voruntersuchungen

    Zur Vorbereitung der praktischen Naturschutzmaßnahmen werden Fachgutachten erstellt:

    • Zustandsanalyse der Fledermausarten
    • Zustandsanalyse der Spechtarten
    • Zustandsanalyse der Amphibienarten
    • Erstellung eines Wasserrückhaltekonzepts
    • Erfassung des Biotopholzes

 

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