Wald- & Wasserwelten


Der Baum der tausend Herzen

Tanzbaum, Bienenweide und Apotheke – keine Baumart ist so vielfältig nutzbar wie die Linde. In den Villewäldern findet sich eines der größten geschlossenen Vorkommen der Winterlinde in Westdeutschland. Sie wächst hier gemeinsam mit der Stieleiche und der Hainbuche in den europaweit geschützten Eichen-Hainbuchenwäldern.

Der duftende Waldbaum

Blüten der Winter-Linde

Ihre herzförmigen und fein gezähnten Blätter machen die Linde im Sommer für jedermann leicht erkennbar. Anfang Juli findet man sie in den Villewäldern sogar mit geschlossenen Augen, da ihre zahlreichen Blüten einen honigsüßen Duft abgeben, der Bienen, Hummeln, Fliegen und Schwebfliegen als Bestäuber anlockt. Bald darauf bilden die Winterlinden kleine kugelige Früchte, die dank eines Flügelblattes mit dem Wind verbreitet werden.

 

Wie erkenne ich die Winterlinde im Wald?
Machen Sie sich selbst auf die Suche nach der Winterlinde in den Villewäldern. Dieses Infoblatt stellt Ihnen ihre wichtigsten Kennzeichen der Baumart vor.

 

Zwölf Apostel-Linde in Gehrden/NRWVon der Linde wird gesagt, dass sie „300 Jahre komme, 300 Jahre stehe und 300 Jahre vergehe“. Bei alten Dorflinden, die einen Durchmesser von mehreren Metern erreichen können, ist tatsächlich ein Alter von bis zu 800 Jahren nachgewiesen. In den Villewäldern sind solch alte Bäume nicht zu finden. Aber auch hier wachsen mächtige, bis zu 200 Jahre alte Exemplare, mit einem Durchmesser von 80 cm und eine Höhe von mehr als 30m.Typisch für die Linde ist ihre Fähigkeit zum Stockausschlag. So wachsen gefällte oder umgebrochene Exemplare aus dem Baumstumpf neu auf. Hat eine durch den Wind geworfene Winter-Linde über ihren Wurzelteller noch Kontakt zum Boden, so wenden sich die Äste wieder zum Licht auf. Während der alte Hauptstamm dann nach und nach zerfällt, entwickeln sich diese „Aufreiter“ zu neuen Bäumen.

 

 

Neben der Winterlinde ist auch die Sommerlinde in der Region heimisch, die unter anderem durch die Behaarung des Blattstiels und der Blattoberseite zu unterscheiden ist. Sie besitzt allerdings keine natürlichen Wuchsorte in den Villewäldern, kommt aber bereits an den Hängen des Siebengebirges vor. Vereinzelt wurde sie aber auch in den Villewäldern gepflanzt.

Die treue Begleiterin der Eiche

Wer eine mittelalterliche Madonna in einer Kirche bestaunt, der denkt sicher kaum darüber nach, dass sie meist aus Lindenholz geschnitzt ist. Das Holz der Linde lässt sich leicht bearbeiten und wird deshalb seit jeher in der Bildhauerei und Schnitzerei eingesetzt.

Als Bauholz eignet sich das Holz der Linde dagegen nicht, denn es ist weich und wenig witterungsbeständig. Unabhängig davon spielt die Linde in den Eichenwäldern waldbaulich eine wichtige Rolle. In den Villewäldern nutzen die Förster die Kronen der Winterlinde, um die Stämme der aufwachsenden Eichen zu beschatten. So bilden die Eiche gerade Stämme ohne Seitenäste, die besonders wertvoll sind. Dabei kommt sie wie die Stieleiche gut mit den zeitweise nassen Böden der Villewälder zurecht. Auch schätzen die Förster die Linde wegen ihres leicht zersetzlichen Laubes, welches sich positiv auf den Bodenzustand auswirkt.

Linden Eiche mittel

 

Aus dem antiken Griechenland ist folgende Sage überliefert:
Die Götter Zeus und Hermes suchten bei einer Wanderung auf der Erde eine Herberge für die Nacht, wurden aber von den Bewohnern der Stadt abgewiesen. Allein das Ehepaar „Philemon“ und „Baucis“ gewährt ihnen Gastfreundschaft in ihrer ärmlichen Hütte am Stadtrand. Als Dank erfüllten die Götter dem liebenden Ehepaar den Wunsch, sich niemals trennen zu müssen. Nach ihrem gemeinsamen Tod wurden sie in zwei Bäume verwandelt. Baucis wurde zu einer Linde und Philemon zu einer Eiche.

Der Nutzen der Winter-Linde geht aber weit über ihr Holz hinaus: Der fasrige Rindenbast diente früher als Flechtmaterial für Körbe, Schuhe und Seile sowie zum Binden von Kränzen. Der Lindenblütentee war schon bei unseren Großeltern ein Hausmittel gegen Erkältungen und der Lindenhonig gilt als besonders süß und aromatisch.

Mensch und Linde – eine innige Beziehung

Effelder TanzlindeDie Linde hat für den Menschen eine ganz besondere Bedeutung. Er holte sie aus den Wäldern in die Städte, wo sie als Einzelbaum hervorragend wachsen konnte. Als Hof- und Dorfbaum ist sie bis heute Bestandteil des Dorfbildes und ein Symbol der dörflichen Gemeinschaft. Alte Linden waren ein Ort für Trauungen, Versammlungen und Feste. Unter den Gerichtslinden wurde verhandelt und Recht gesprochen. Ein besonderes Beispiel sind die Tanzlinden, deren untere Äste in vielen Jahrzehnten zu einem Kranz herabgebogen wurden. Darauf wurden die Bretter für einen Tanzboden aufgelegt und die Krone der Linde bildete das Dach.

 

Der häufigste Gasthausname in Deutschland ist mit über 1.000 Nennungen „Zur Linde" und auch viele Orts- und Personennamen gehen auf die Linde zurück.

 

Die Linde galt in vielen Kulturen als Zeichen bzw. Baum der Liebe. Bei den Germanen war die Linde der Göttin „Freya“ geweiht. Sie war die Göttin der Liebe, des Glücks und der Fruchtbarkeit. Auch den Slawen galt die Linde als heiliger Baum. Sie besaßen sogar eine eigene Lindengöttin, „Libussa“, vom slawischen Wort „liba“ für Linde. Der Liebesgöttin „Aphrodite“ opferten die Griechen unter Linden. Noch in den Liedern und Gedichten der deutschen Romantik findet sich immer wieder eine Verbindung zwischen der Liebe und der Linde.

Quellen:
www.uni-goettingen.de/de/im-reich-der-bäume/10235.html
www.baum-des-jahres.de
www.sdw.de

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