Wald- & Wasserwelten


Weihnachtssingen am Mittelwald

Mittelwald am Eisernen Mann im Kottenforst

Die Teilnehmer des traditionellen Weihnachtssingens am Eisernen Mann staunten nicht schlecht am Heiligen Abend. In dem benachbarten Eichenwald war erst wenige Tage zuvor eine mittelwaldartige Durchforstung abgeschlossen worden. Die Maßnahme wurde im Auftrag des LIFE+ Projektes durchgeführt und dient der Förderung der Artenvielfalt im europäischen Natura2000 Schutzgebiet „Waldville“.

 

Mittelwald am Eisernen Mann  im Kottenforst

Der Mittelwald ist eine traditionelle Methode der Waldbewirtschaftung in den Villewäldern, die vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert weit verbreitet war. Dabei wurden die Hainbuchen und Linden alle 20 bis 30 Jahre geschlagen und als Brennholz genutzt. Dagegen durften die Eichen bis zu 150 Jahre alt werden und man entnahm immer nur einzelne Bäume als Bauholz. Häufig trieb man auch das Vieh in die Wälder. Die Eicheln waren eine wichtige Futterquelle für die Hausschweine.

 

Vielen alten Eichen-Mischwäldern sieht man die ehemalige Mittelwaldnutzung auch heute noch an: Die alten Eichen haben breite Kronen, die bereits in geringer Höhe am Stamm ansetzen. Viele Hainbuchen und Linden wachsen mit mehreren Stämmen aus einem Stumpf.

 

 

 

Warum wird die Mittelwaldwirtschaft wieder aufgenommen?

Mittelspecht Foto: Marco Koenig

Die Eichen stehen im Mittelwald weit auseinander, so dass viel Licht und Wärme in den Bestand fällt. Viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten fühlen sich hier wohl. Die locker stehenden Eichen bilden sehr breite Kronen mit toten Ästen. Davon profitiert zum Beispiel der Mittelspecht, der hier bevorzugt seine Höhlen baut und Nahrung sucht. Auch viele totholzbewohnende Käfer leben in den Kronen der Mittelwaldeichen.

 

Wie wird die Mittelwaldwirtschaft heute durchgeführt?

Mittelwaldartige Durchforstung am Saengerbuesch

Seit der letzten Nutzung sind bereits viele Jahrzehnte vergangen. In einem ersten Schritt wurden alle Hainbuchen, Linden und Buchen entnommen, die unter den großen Eichenkronen aufgewachsen waren. Auch einzelne Alteichen mussten gefällt werden, um die Mittelwaldstruktur wiederherzustellen. Um die Holzstämme aus dem Wald zu transportieren, kamen auch schwere Maschinen zum Einsatz, die aber nur auf festgelegten Rückegassen fahren durften.

Die Wiederaufnahme der Mittelwaldwirtschaft im Rahmen des LIFE+ Projektes erfolgt in sechs Eichenwäldern auf einer Gesamtfläche von 39 Hektar in den Natura2000 Gebieten der Villewälder zwischen Köln und Bonn.

 

Umweltministerium NRW LogoLIFE LogoNatura 2000 LogoBiostation Bonn Rhein-Erft LogoWald und Holz NRW Logo