Wald- & Wasserwelten


Villewälder im Trockenstress

Rotbuchen im Trockenstress im Kottenforst

Nicht nur wir Menschen sondern auch unsere Bäume leiden unter der aktuellen Hitze. Während wir zu Abkühlung in den Schatten gehen oder ins kühle Wasser springen können, sind unsere Waldbäume dauerhaft der Hitze ausgesetzt. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Verdursten oder Verhungern?

Trockenheit eicheln

Man kann einen Baum als eine riesige Wasserpumpe beschreiben. Er leitet das Wasser von der Wurzel durch den Stamm bis in die Blätter, wo es verdunstet. Der Wasserstrom dient dem Nährstofftransport, der Kühlung und der Photosynthese. Dank kleiner Öffnungen in den Blättern, den Stomata, kann der Baum die Wassermenge steuern. Wird der Boden zu trocken und der Wassernachschub stockt, werden die Stomata geschlossen um den Wasserverbrauch zu reduzieren. Allerdings gelangt durch die gleichen Öffnungen auch das Kohlendioxid in die Blätter, welches für die Photosynthese benötigt wird. Diese produziert die Kohlenhydrate, die Nahrung unserer Bäume.

Und damit wären wir bei dem Problem. Mit zunehmender Trockenheit wird es für den Baum immer schwieriger, dem Boden ausreichend Wasser zu entziehen. Schließt der Baum die Stomata, dann muss er hungern und kann seine Organe nicht ausreichend mit Nahrung versorgen. Bleiben die Stomata geöffnet, besteht die Gefahr, dass Luft in die Wasserleitgefäße eindringt und diese verstopfen. Solche Embolien können im schlimmsten Fall zum Tod des Baumes führen.

Die Blätter werden bereits im August abgeworfen

Welche Möglichkeiten bleiben dem Baum bei lang anhaltender Trockenheit? Wenn nicht mehr genug Nahrung produziert werden kann, muss er auf Diät leben. So fallen in den Villewäldern gerade die unreifen Eicheln von den Bäumen. Offensichtlich fehlt den Eichen die Energie, deren Entwicklung abzuschließen. Auch werden weniger Vorräte für den Winter und das nächste Frühjahr eingelagert. Wird der Wasserstress zu groß, wirft der Baum seine Blätter ab und ganze Äste sterben ab. Dies ist im Moment bei vielen Rotbuchen zu beobachten. Die Bäume verlegen den herbstlichen Blattfall in den August und retten sich in die Winterpause.

Aus dem Gleichgewicht

Trockenheit ast

So ein extremes Trockenjahr bringt den Stoffwechsel eines  Baumes gehörig durcheinander. Gerade der Mangel an Vorräten kann ihm noch über mehrere Jahre zu schaffen machen. Weniger eingelagerte Kohlenhydrate bedeuten im nächsten Jahr kleinere Blätter, weniger Feinwurzeln und weniger Leitgefäße – d.h. sein Wachstum und seine Widerstandskraft sind eingeschränkt. Treten nun zusätzliche Stressfaktoren auf, wie starker Schädlingsbefall oder weitere Dürren, so wird der Baum immer weiter geschwächt, was bei einzelnen Exemplaren zum Tod führen kann. Bleibt weiterer Stress aus, normalisiert sich die Lage wieder. Aber auf jeden Fall bleiben Narben zurück: In den Jahresringen kann man Abfolge solcher Dürrejahre für den Rest des Baumlebens ablesen.

Was können wir tun?

Während den Blumen im Garten schon eine Geißkanne voll Wasser hilft und bei den Straßenbäumen auch schon mal die Feuerwehr zum Wässern einspringen kann, können wir im Wald gegenwärtig nur zuschauen und auf Regen hoffen.

Die Blätter vieler Rotbuchen werden bereits braun.Langfristig gibt es aber viel zu tun. Aufgrund des Klimawandels ist zu befürchten, dass Witterungsextreme wie Dürren, Starkregen und Stürme in der Zukunft häufiger auftreten werden. Die Wälder müssen an diese Entwicklung angepasst werden. Das LIFE+ Projekt leistet einen Beitrag dazu. So werden klimalabile Nadelholzreinbestände langfristig in stabile Eichenmischwälder umgewandelt (weitere Informationen). Die Eiche spielt dabei eine wichtige Rolle. Als tiefwurzelnde Baumart kommt sie mit Trockenperioden gut zurecht, da sie sich auch aus tieferen Bodenschichten mit Wasser versorgen kann.  Unter ihrer lichten Krone lässt sie Raum für weitere Baumarten, wie z.B. Hainbuche, Winterlinde. Es entwickeln sich mehrschichtige und artenreiche Laubmischwälder, die für die Folgen des Klimawandels gut gerüstet sind.

Im Rahmen des LIFE+ Projektes werden in ausgewählten Teilgebieten des Kottenforstes die Entwässerungsgräben verschlossen, um den natürlichen Bodenwasserhaushalt wieder herzustellen (weitere Informationen). Durch den Klimawandel fallen die Sommerniederschläge immer öfter als Starkregen, die über die Entwässerungsgräben oberflächlich abfließen. Durch Rückbau der Gräben verbleibt das Wasser im Wald und wird im Boden gespeichert. Somit steht den Waldbäumen mehr Wasser zur Verfügung, um Trockenphasen zu überbrücken.

Quellen

Trockenheit im Wald auf www.waldwissen.net

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