Wald- & Wasserwelten


19. Mai 2016 - Europas seltene Eichenwälder im Kottenforst – fit für die Zukunft

Das LIFE+ Projekt beginnt mit dem Verschluss von Entwässerungsgräben in den Eichenwäldern des Kottenforstes.

Im Mai und Juni 2016 bietet sich den Spaziergängern im Südteil des Kottenforstes ein ungewohnter Anblick. Abseits der Wege ist ein Kleinbagger bei der Arbeit, der die Entwässerungsgräben in den Eichenwäldern punktuell verschließt. Hier wird der natürliche Wasserhaushalt der Waldböden wiederhergestellt.

Der Kottenforst ist berühmt für seine artenreichen Eichenwälder, die aber durch den Klimawandel langfristig gefährdet sind. Unsere Sommer werden wärmer und die Waldböden trockener. Auch verändert sich die zeitliche Verteilung der Niederschläge und die sommerlichen Starkregen nehmen zu. Das Regenwasser läuft durch das Grabensystem oberflächlich ab, statt langsam zu versickern. Es steht somit nicht für die Waldbäume zur Verfügung, die es im Sommer dringend brauchen. In trockenen Sommern kommt es so zu Trockenschäden an den Waldbäumen. Der Verschluss von Gräben soll das verhindern und Regenwasser im Walde halten.

Ältere Bonner können noch davon berichten, dass der Waldboden früher fast jeden Winter mit Wasser bedeckt war. Ein Vorteil für die Stieleiche, die mit dem nassen Boden besser zurechtkommt als ihre Hauptkonkurrentin, die Rotbuche. Dieses Phänomen ist heute nur noch selten zu beobachten, was auch auf die Entwässerung zurückzuführen ist. Die Folge ist eine Zunahme der Rotbuche, die nun die mächtigen alten Stieleichen überwächst und langfristig zu verdrängen droht.

Aus Sicht des Projektleiters Klaus Striepen ist der Grabenrückbau für den Eichenwald überlebenswichtig: „Mit dem Verschluss der Entwässerungsgräben greifen wir der Stieleiche unter die Arme. So bleiben die europaweit geschützten Eichenwälder mit ihrer besonderen Tier- und Pflanzenwelt auch für kommende Generationen erhalten.“

Auch die Bonner Bürger werden von der Maßnahme profitieren. Die sommerlichen Starkregen fließen nicht mehr direkt über die Entwässerungsgräben in den Katzenlochbach ab. So sinkt die Gefahr von Überschwemmungen in Stadtgebiet.

Ein externes Gutachterbüro hat ein Wasserrückhaltekonzept erstellt, in dem die Maßnahmen vorgeschlagen wurden. Auf dieser Grundlage werden nun testweise erste Grabenverschlüsse gesetzt, um die Auswirkungen der Maßnahmen zu beobachten. Sind die Tests erfolgreich, werden in den kommenden drei Jahren auf einer Waldfläche von 400 Hektar die Entwässerungsgräben verschlossen. Dazu wird der seitlich abgelagerte Grabenaushub verwendet. Die Entwässerungsgräben entlang der Hauptwege sind nicht betroffen, so dass der Erhalt des Wegesystems gesichert ist. Die Maßnahmenflächen wurden vom Projektteam so gewählt, dass Flächen außerhalb des Waldes nicht vernässt werden können. Der Erfolg der Maßnahmen wird regelmäßig überprüft und gesteuert.

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