Wald- & Wasserwelten


Biotopbäume - Der Schlüssel zur Artenvielfalt im Wald

Biotopbäume haben eines gemeinsam: Sie bilden die Lebensgrundlage für viele spezialisierte Tier-, Pilz-, Moos- und Flechtenarten. Diese Biotopbäume erfasst das LIFE+ Projektteam in den Villewäldern. Sie sollen zukünftig nicht mehr forstlich genutzt werden, sondern als Schatzkammern der Artenvielfalt im Wald verbleiben.

Biotopbäume: Was sind das?

  • Bäume mit größeren Stammverletzungen, Pilzbefall oder viel Kronentotholz
  • Bäume mit Faul- und Spechthöhlen (Höhlenbäume)
  • Bäume mit Horsten von baumbrütender Vogelarten (Horstbäume)
  • Stark mit Efeu bewachsene Bäume
  • Uraltbäume mit einem Durchmesser über einem Meter
  • Stehende und liegende abgestorbene Bäume (Totholz)

Pilze - Machen den Baum genießbar

Eiche mit KonsolenpilzDie Holzpilze verrichten ihre Arbeit meist unscheinbar im Inneren des Baums. Sie zersetzen ganz langsam die Holzstruktur. Ihre Fruchtkörper erscheinen erst, wenn die Holzzersetzung bereits fortgeschritten ist.  Doch kann der geschädigte Baum noch viele Jahrzehnte weiterleben, denn häufig sind nur Teilbereiche befallen.


Gesundes Holz ist für die meisten Insekten nicht nutzbar. Erst die Holzpilze machen das Holz verwertbar. Dann können sich zum Beispiel die Larven der totholzbewohnenden Käfer von dem zersetzten Holz ernähren.

Höhlenbäume – Wohnen im Baum

Spechthöhle in EicheBaumhöhlen werden von Spechten gebaut oder entstehen durch das Ausfaulen von Stammschäden. Zum Beispiel zimmern Bunt- und Mittelspecht  ihre Bruthöhlen in alte Eichen. In die verlassenen Spechthöhlen ziehen andere höhlenbrütende Vogelarten wie Kleiber, Hohltaube oder Eulen ein.

Auch Säugetiere, wie Fledermäuse oder Siebenschläfer, sind auf Baumhöhlen angewiesen, wo sie den Tag verbringen, ihre Jungen aufziehen oder sogar überwintern. Die Wildbienen und Hornissen legen hier ihre Nester an.

Efeubäume –Ganzjähriges Grün

In den Efeuhecken an den Baumstämmen ist stets viel los: Vögel legen hier ihre Nester an. Insekten und Kleinsäuger finden hier Schutz und ein Jagdrevier. Bei ausreichender Besonnung gelangt der Efeu im Herbst sogar zur Blüte. Da zu diesem Zeitpunkt viele andere Nektarquellen bereits versiegt sind, sind die Blüten bei Insekten besonders begehrt. Fliegen, Ameisen, Schwebfliegen aller Art, Wespen, Bienen bis hin zu Faltern lassen sich hier beobachten.

Horstbäume - Bieten die besten Plätze

Buche mit GreifvogelhorstAuch Horstbäume sind Biotopbäume. Bussard, Rotmilan und Kolkrabe legen ihre großen Horste hoch oben in den Kronen der Waldbäume an. Da der Horstbau aufwendig ist, werden die Nester immer wieder ausgebessert und über viele Jahre von den gleichen Tieren genutzt.

Bei der Auswahl der Bäume spielen viele weitere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise Anflugschneisen, Störungshäufigkeit, benachbarte Nahrungsplätze und Konkurrenten. Darum sind Horstbäume nicht leicht ersetzbar und müssen erhalten werden.

Eiche mit Riss durch Blitzeinschlag

Blitzriss – Bizarre Formen

Mitten im Wald finden sich manchmal Bäume mit einem Riss im Stamm, der von Waldboden bis in die Krone reicht. Hier hat ein Blitz eingeschlagen, aber trotzdem hat der Baum überlebt.

Entlang der Blitzrinne fault der Baum aus, so das lange schmale Spalthöhlen entstehen. Sie sind beliebte Unterkunft für Fledermäuse, die hier tagsüber schlafen oder in denen Gruppen von Weibchen ihre Jungen betreuen.

 

 

 

Kronentotholz – Eine eigene Welt

Auch lebende Eichen haben in der Krone oft schon Totholz – hat ein Baum viel davon, macht ihn das zum Biotopbaum.

Eiche mit KronentotholzIn der Baumkrone ist es sonnig und warm. Es ist ein bevorzugter Lebensraum für Insektenarten, die ein warmes Kleinklima angewiesen sind. Manche von ihnen leben ausschließlich dort oben und sind nie am Waldboden anzutreffen. Auch Mittel- und Kleinspecht fühlen sich hier wohl, suchen hier ihre Nahrung und bauen sogar ihre Höhlen in dicke tote Äste.

 

Astabbruch – Auf dem Weg zur Großhöhle

Eiche mit einer Faulhoehle, die sich aus einem Astabbruch entwickelt hat.Wo große Äste oder Kronenteile abbrechen, kann der Baum die Wunde selbst nicht mehr schließen. Hier dringen Pilze und Insekten ein, die das Holz zersetzen. Mit den Jahren können hier große Baumhöhlen ausfaulen. Diese bieten ausreichend Raum für Eulen und große Säugetiere wie Baummarder oder Waschbär, die hier ihre Jungen zur Welt bringen.

Mit den Jahren faulen Baumhöhlen immer weiter aus und an ihrem Grund sammeln sich zersetzte Holzreste an. Dieser Mulm ist ein ganz besonderes Material. Er bietet Nahrung und Lebensraum für viele hochspezialisierte Käferarten. Auch die Larven unserer größten Käferarten wie der Eremit und der Hirschkäfer leben hier. So legt das Hirschkäferweibchen ihre Eier in morsche Baumstümpfe der Eiche. Hier entwickeln sich die Larven über mehrere Jahre und ernähren sich vom zerfallenden Holz. Erst nach fünf Jahren kommen die erwachsenen Hirschkäfer aus dem Boden und fliegt nur wenige Wochen lang.

 

Totholz – Ein Stück Urwald

Liegendes Totholz der EicheTote Bäume sind ein typisches Element natürlicher Wälder. Viele seltene und heute stark gefährdete Tierarten sind auf den Lebensraum Totholz angewiesen. Die Erscheinungsformen sind vielfältig wie seine Bewohner:  Eiche oder Buche, stehend oder liegend, frisch abgestorben oder schon vermodert, dick oder dünn, besonnt oder schattig - oft finden sich ganz unterschiedliche Tier- und Pflanzen-
gemeinschaften. In Mitteleuropa leben ca. 1.300 totholzbewohnende und holzabbauende Käferarten sowie etwa 1.500 Großpilzarten in und am Totholz.
 

Umweltministerium NRW LogoLIFE LogoNatura 2000 LogoBiostation Bonn Rhein-Erft LogoWald und Holz NRW Logo