Wald- & Wasserwelten


Der Mittelwald - eine alte Waldwirtschaftsform kehrt zurück

Der Mittelwald ist eine traditionelle Methode der Waldbewirtschaftung in den Villewäldern, die vom Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhundert weit verbreitet war. Dabei wurden die Hainbuchen und Linden alle 20 bis 30 Jahre auf den Stock gesetzt und als Brennholz genutzt (Hauschicht). Dagegen durften die Eichen bis zu 150 Jahre alt werden und man entnahm immer nur einzelne Bäume als Bauholz (Oberholz). Häufig wurden die Hiebsflächen nach einer Ruhephase von wenigen Jahren beweidet.

Mittelwald Stockausschlag Hainbuche

Vielen Eichen-Mischwäldern sieht man die ehemalige Mittelwaldnutzung auch heute noch an: Die alten Eichen und Rotbuchen haben breite Kronen, die bereits in geringer Höhe am Stamm ansetzen. Die unterständigen Hainbuchen und Linden sind aus Stockausschlag hervorgegangen.

 

 

Natur- und Kulturerbe Mittelwald

Mittelwald Saengerbusch

Mit der Entnahme des Unterstandes kehren Licht und Wärme in die Eichenwälder zurück und machen unsere Mittelwälder zu besonders artenreichen Waldlebensräumen. Viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten fühlen sich hier wohl. Insbesondere Insektenarten, wie Tagfalter, Wildbienen und Hummeln profitieren von der Zunahme des Blütenangebotes. Dank ihres Insektenreichtums sind die Wälder bevorzugte Jagd- und Vermehrungsgebiete für Vögel und Waldfledermäuse. Die locker stehenden Eichen bilden sehr breite Kronen mit toten Ästen. Davon profitiert zum Beispiel der Mittelspecht, der hier bevorzugt seine Höhlen baut und Nahrung sucht. Auch viele totholzbewohnende Käfer leben in den Kronen der Mittelwaldeichen.

Die Waldbesucher erleben in den Mittelwäldern beeindruckende Beispiele einer kulturhistorisch bedeutenden Form der Landnutzungsform, die aus unserer Landschaft weitgehend verschwunden ist. Sie werden durch Infotafeln an den Waldwegen informiert.

So wird die Mittelwaldwirtschaft zukünftig durchgeführt

Mittelwald Umbau

Die Mittelwaldnutzung wurde in den Villewäldern bereits vor vielen Jahrzehnten aufgegeben und die Bestände in Eichenhochwälder überführt. Der erste Schritt auf dem Weg zurück zur Mittelwaldwirtschaft ist die Entnahme des Unterstandes aus Winterlinde und Hainbuche sowie die Auflichtung des Kronendaches durch die Ernte einzelner Alteichen. Dies wird im Rahmen des LIFE+ Projektes durchgeführt und aus Projektmitteln finanziert. In Anlehnung an die historische Nutzung erfolgt anschließend eine Aufteilung des Mittelwaldkomplexes in zwölf Parzellen mit einer Größe von ca. zwei Hektar. Alle zwei Jahre wird eine Teilfläche genutzt, so dass sich langfristig ein Mittelwaldzyklus von 24 Jahren einstellt.

Dabei muss sich die Mittelwaldnutzung an die heutigen Rahmenbedingungen anpassen. Die gilt für die Ernte- und Pflegetechnik als auch für die Sicherung eines angemessenen Alt- und Totholzanteils. So bleiben beispielsweise ausgewählte Hainbuchen zur Schaftpflege von Eichen mit Wertholzpotential erhalten. Die Verwertung der Hauschicht erfolgt als Brennholz oder als Hackschnitzel. Daneben wird der Anteil des liegenden Totholzes durch das Verbleiben von Kronenteilen und Ästen in den Mittelwaldbeständen erhöht. Besondere Herausforderung ist die Wiederherstellung der Altersstruktur des Oberholzes.

Mittelwald Atzenbruecke

Bei jedem Mittelwaldschlag werden auch einzelne Alteichen genutzt. Entsprechend müssen junge Eichen herangezogen werden (sog. Lassreitel), die langfristig deren Rolle übernehmen. Zwar ist Eichen-Naturverjüngung regelmäßig vorhanden, doch ist ihre Entwicklung durch Wildverbiss, konkurrierendes Schattbaumarten oder die krautige Konkurrenzvegetation (z.B. Brombeere) gefährdet. Aus diesem Grund werden die jungen Eichen durch Wuchshüllen geschützt und wenn nötig durch Pflegemaßnahmen gefördert.

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