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Großer Bagger hilft kleinen Tieren

Kleiner Eisvogel auf der Stromtrasse bei Volmershoven

Vielleicht ist dem einen oder anderen Waldbesucher die „Senker Kuhle“ am Annaberger Feld im Kottenforst ein Begriff. Es handelt sich um ein vom Menschen geschaffenes Waldgewässer, dass vor mehr als 100 Jahren im Quellbereich des Annaberger Baches angelegt wurde. Typisch ist der wechselnde Wasserstand im Jahresverlauf. Im Winter und Frühjahr ist das Gewässer meist gut mit Wasser gefüllt, während es im Sommer zeitweise trockenfallen kann. Im Dezember 2018 hat sich hier einiges getan. Dort, wo der Annaberger Bach seinen Weg in Richtung Friesdorf bahnt, fanden umfangreiche Rodungs- und Baggermaßnahmen statt.

 

Zustand der Senker Kuhle vor der Massnahme

Wüster Eindruck – großer Effekt

Natürlicherweise verlanden die Waldgewässer mit der Zeit. Nach und nach gelangen Blätter, Äste und Erde in die Gewässer und setzen sich am Gewässerboden ab. Es bildet sich eine mächtige Schicht aus abgestorbenem organischem Material und die offene Wasserfläche verschwindet. Auch die „Senker Kuhle“ drohte als Wasserlebensraum verloren zu gehen.

 

Bagger im Einsatz an der Senker Kuhle

Dank der Entnahme von organischem Material ist das Gewässer nun wieder groß und tief genug, so dass sich eine Vielzahl von z.T. sehr seltenen Amphibien wieder gut vermehren kann. Aktuell sieht das Umfeld des Gewässers wüst und nackt aus. Jedoch wird dieser Zustand nur von kurzer Dauer sein. Wenn Sie auch 2019 regelmäßig am Ufer des Gewässers verweilen, werden Sie bemerken, wie schnell es sich begrünen wird. Viele Arten profitieren von einem „Auf-Null-Setzen“ des Gewässerkörpers und dessen unmittelbaren Umfeld. Es sind vor allem die Pionierarten, die diesen neugeschaffenen Lebensraum wieder rasch besiedeln bzw. ihre Bestandszahlen erhöhen können.

 

Senker Kuhle nach der Rodung

Wärme und Licht am Ufer

Amphibien sind wechselwarme Tierarten. Sie benötigen eine ausreichend hohe Umgebungstemperatur, um zu jagen und sich zu paaren. Wasserkörper und Ufer der „Senker Kuhle“ waren über die Jahre zugewachsen und stark beschattet. Mit der Entnahme der Gehölze gelangt nun wieder viel Licht und Wärme an den Boden und die Attraktivität des Gewässers für die Wasserbewohner wird somit deutlich gesteigert.

 

Lebensraumgestaltung an der Senker Kuhle

Wälle und Wurzeln - ein Paradies für viele Tierarten

Einige Amphibienarten nutzen die umgebenden Landlebensräume zur Jagd und Partnerwerbung. Dabei dienen Hohlräume zwischen Wurzeln, Holzstämmen und Erdwällen als Versteckmöglichkeiten. Die neu angelegten Strukturen sind in unterschiedliche Richtungen ausgerichtet, sodass die Tiere je nach Wärmebedürfnis zwischen ihnen wechseln können. Auch Vögel wie Gebirgsstelze, Zaunkönig oder Eisvogel können von den aufgeschichteten Wurzeltellern und Holzhaufen profitieren. Vielleicht wird sich die eine oder andere Art künftig als Brutvogel im Gewässerumfeld wiederfinden. Ebenso bedeutsam sind solche Strukturen für viele waldbewohnende Insekten oder Spinnen.

Im Rahmen des von der EU geförderten LIFE+ Projektes wurden seit 2014 bereits 50 Gewässer angelegt oder wiederhergestellt, um Lebensräume für Wasserlebewesen langfristig zu erhalten.

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