Wald- & Wasserwelten


Maßnahmen

Zwischen Juli 2014 und Juni 2019 ist eine Vielzahl von praktischen Naturschutzmaßnahmen geplant, um den Erhaltungszustand der Eichen-Hainbuchenwälder und der begleitenden Lebensräume zu verbessern.

Welche Fledermäuse leben in den Villewäldern?

Fledermaus

Vor Beginn der Maßnahmen wird eine Tiergruppe untersucht, über deren Vorkommen nur wenige Informationen vorliegen. Bisher ist nur bekannt, dass in den Wäldern des Kottenforstes 12 der 17 in Nordrhein-Westfalen heimischen Fledermausarten vorkommen. Aber viele Fragen sind noch unbeantwortet. Wie häufig sind die einzelnen Arten und welche Lebensräume bevorzugen sie? Wo befinden sich ihre Wohn- und Fortpflanzungsstätten? Zur Abstimmung der Projektmaßnahmen auf die Lebensraumansprüche der Fledermäuse werden 2015 und 2016 intensive Untersuchungen durchgeführt.

Wie wird der natürliche Wasserhaushalt der wechselfeuchten Eichen-Hainbuchenwälder wieder hergestellt?

Entwässerungsgraben im KottenforstBereits in kurfürstlicher Zeit (18. Jahrh.) wurde in den Villewäldern ein System von Entwässerungsgräben angelegt, das letztmalig in den 1980er Jahren instandgesetzt und vertieft wurde. Um der Stiel-Eiche und ihren Begleitbaumarten auch langfristig günstige Lebensbedingungen zu bieten, muss dieses Grabensystem teilweise zurückgebaut werden. Zu diesem Zweck wurde Anfang 2015 ein hydrologisches Fachgutachten in Auftrag gegeben, das den Wasserhaushalt des Projektgebietes analysiert und Aktionsräume festlegt, in denen die Maßnahme umgesetzt werden kann. Im Rahmen des Gutachtens werden Art und Umfang der Grabenverschlüsse geplant und die Auswirkungen modelliert, so dass der Erhalt des Eichen-Hainbuchenwaldes langfristig gesichert werden kann ohne die Interessen der Anlieger zu gefährden.

 

Wie wird der Lebensraum Alt- und Totholz in den naturnahen Laubmischwälder gesichert?

Biotopholzkartierung im KottenforstIm Winter 2014/2015 wurde bereits damit begonnen, die Menge und räumliche Verteilung des Biotopholzes im Projektgebiet zu ermitteln. Erfasst werden dabei Höhlen- und Horstbäume, stehende tote Bäume sowie Althölzer, die vielversprechende Strukturen wie Blitzrisse, markante Astabbrüche oder Totholzäste aufweisen und zukünftig beispielsweise von höhlenbewohnenden Tieren besiedelt werden können. Im Jahr 2017 werden Förster und Projektmitarbeiter gemeinsam Einzelbäume oder Baumgruppen auswählen, die zukünftig nicht mehr forstlich genutzt werden sollen, sondern altern dürfen und schließlich in die Zerfallsphase übergehen. Darüber hinaus wird die naturnahe Bewirtschaftung der Wälder auch in Zukunft fortgesetzt.

Weitere Informationen zum Thema Biotopholz finden Sie hier.

 

Wie wird die Waldfläche der geschützten Waldlebensräume erweitert?

Waldumwandlung durch Eichenpflanzung in WuchshüllenDer Umbau von Fichten- und Kiefernwäldern in den Villewäldern ist eine langfristige Aufgabe, die im Rahmen des Projektes eingeleitet wird. Es werden vor allem Nadelholzbestände umgewandelt, in denen durch Windwurf oder Schädlingsbefall bereits größere Lücken entstanden sind. Hier werden Eiche und Buche gruppenweise gepflanzt. Weitere Baumarten, wie Eberesche, Hainbuche oder Sal-Weide, werden natürlich hinzutreten, so dass in
Zukunft ein struktur- und artenreicher Wald entsteht.

Warum werden Waldflächen gekauft?

Im Rahmen des Projektes ist der Ankauf von 48 Hektar Privatwald vorgesehen. Dabei handelt es sich um Waldflächen, die aufgrund des hohen Altholzanteils von besonderer naturschutzfachlicher Bedeutung sind oder um Nadelhölzer, die zur Vernetzung wertvoller Altbestände bevorzugt umgewandelt werden sollen. Nach Ankauf der Flächen wird durch den Eintrag einer Naturschutzklausel im Grundbuch sichergestellt, dass die Flächen auch in Zukunft im Dienste des Naturschutzes bewirtschaftet werden.

Warum wird die Mittelwaldwirtschaft wieder aufgenommen?

Mittelwald Eiserner Mann

Der Mittelwald ist eine traditionelle Form der Waldbewirtschaftung in den Villewäldern, die bereits im Mittelalter angewendet wurde. Dabei wurden die Hainbuchen und Linden alle 20 bis 30 Jahre geschlagen und als Brennholz genutzt. Dagegen durften die Eichen bis zu 150 Jahre alt werden und man entnahm immer nur einzelne Bäume als Bauholz. Diese alten Mittelwaldeichen mit ihren ausladenden und totholzreichen Baumkronen sind für viele Tierarten, wie z.B. den Mittelspecht, bevorzugte Lebensräume. Von der Wiederaufnahme der Mittelwaldwirtschaft werden viele Tierarten profitieren und eine kulturhistorisch bedeutende Waldnutzungsform bleibt für die Menschen erlebbar.

Weitere Informationen über Mittelwälder finden Sie hier.

Wo und wie entstehen neue Amphibiengewässer ?

Bagger am Rehsprungmaar

In einem ersten Schritt werden im Jahre 2015 alle Gewässer des Projektgebietes erfasst und einige auf ihre Amphibienfauna untersucht. Anschließend wird der Zustand der Gewässer bewertet. Auf dieser Grundlage wird festgelegt, welche Weiher instandgesetzt und wo die Anlage weiterer Kleingewässer notwendig erscheint. Die Umsetzung wird im Winter 2015/16 beginnen und sich über den gesamten Projektverlauf fortsetzen. Dabei werden Kleingewässer mit einer Größe von 150 Quadratmetern und einer Tiefe von bis zu 1,20 Meter ausgehoben.

 

Wie wird artenreiches Grünland geschaffen?

Einsaatstreifen zur Wiederherstellung einer GlatthaferwieseDie Entwicklung der Wildwiesen zu artenreichen Grünlandbeständen erfolgt in mehreren Arbeitschritten. Zu Beginn des Projektes wurden Flächen ausgewählt, die ein hohes Entwicklungspotenzial besitzen, da beispielsweise noch seltene typische Pflanzearten vorhanden sind.  Bereits im Winter 2014/2015 wurde bei einigen Flächen eine Erweiterung auf eine Mindestgröße von 2000 Quadratmetern vorgenommen oder die Entnahme von beschattenden Gehölzen durchgeführt. Anschließend erfolgt eine Anreicherung des vorhandenen Arteninventars durch Übertragung von Mahdgut, welches zuvor auf artenreichen Spenderflächen aus der Region gewonnen wurde. Auf einem Teil der Flächen ist eine Zäunung unvermeidlich, um die Schädigung durch Schwarzwild zu vermeiden.

 

Wie werden die Menschen in der Region informiert?

Durch Presseberichte, Informationsstände, Vorträge und Führungen werden wir Sie über den Stand des Projektes und die aktuellen Maßnahmen auf dem Laufenden halten. Im Wald werden Beschilderungen über den Zweck und den Hintergrund der Maßnahmen informieren.

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